Mit welchen prachtvollen Rosen u. Teerosen u. Nelken hast Du meinen Geburtstagstisch1175Johanna Spyri wurde am 12. Juni 1827 geboren.schliessen geschmückt! Sie sind ganz entzückend u. gar nicht verwelkt, die Blumen konnten gleich eingestellt werden. Vielen herzlichen Dank dafür! Auch für einen lieben, vorher gehenden Brief habe ich Dir noch zu danken, Du hast mir da noch recht erwünschte Nachricht gegeben, ich wußte ja von der Brautschaft noch gar nichts, als nur die Thatsache durch die Anzeige.1176Wohl die Brautschaft von Hermann Kappeler und Maria Ida Ernestine Aepli, welche am 31. Oktober 1892 heirateten.schliessen Es ist so nett, daß die Beiden so froh u. glücklich sind [2] u. auch, daß Du Dich recht ihres Glückes freuen kannst. Gewiß erinnere ich mich wohl jenes Maitages, da Bernhard1177Diethelm Bernhard Spyri (1855-1884), einziger Sohn von Johann Bernhard Spyri und Johanna Spyri-Heusser. Studium der Rechte in Zürich, Leipzig (1875/76) und Göttingen (1877/78), während kurzer Zeit Tätigkeit als Sekretär der kaufmännischen Gesellschaft Zürich. Studium und Arbeit werden immer wieder durch Krankheit und Kuraufenthalte unterbrochen. Bernhard stirbt knapp 29jährig an Tuberkulose. - In diesem Kommentar wird der Sohn Johanna Spyris bei vollständiger Namensnennung konsequent als Diethelm Bernhard bezeichnet - im Unterschied zu der in Teilen der bisherigen Spyri-Forschung gängigen Bezeichnung Bernhard Diethelm Spyri, die wohl auf den Rufnamen Bernhard zurückzuführen ist. Todesanzeige, Grabstein etc. legen die hier gewählte Reihenfolge nahe.schliessen noch so froh u. glücklich war bei Euch u. ich mit ihm u. wie wir dort beim Bier in dem Garten saßen u. Alle so fröhlich waren.1178Gemeint ist vermutlich der gemeinsame Besuch von Johanna Spyri und ihrem Sohn bei der Familie Kappeler kurz nach Bernhards Rückkehr aus Südamerika im Jahr 1882 (s. EK49).schliessen
Gestern nein vorgestern war Henriette1179Henriette Studer-Kappeler (1856-1916), älteste Schwester von Hedwig. Seit 1880 verheiratet mit Theophil Studer, Professor für Zoologie in Bern; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen schnell bei mir, ich hatte so große Freude, sie zu sehen. Wir schmiedeten schnell ein paar Reisepläne, so recht sicher sind sie freilich nicht, ich weiß auch eigentlich sicher nur so viel, daß ich bis Anfang oder Mitte Juli hier bleiben werde. Dann möchte Vreneli1180Vreneli Vogelsanger (1854-1931) aus dem Schaffhauser Dorf Beggingen besorgte 24 Jahre lang den Haushalt von Johanna Spyri.schliessen eine Kur machen u. nachher noch einwenig daheim bleiben u. dann mir sagen, ob sie bestimmt abgeben muß, oder doch noch einmal zu kommen gedenkt.
[3] Fräulein Vidart,1181Camille Vidart (1854-1930), Französischlehrerin an der Höheren Töchterschule in Zürich von 1880 bis 1883, später in Lausanne. Übersetzerin von "Heidi" sowie weiterer Werke von Johanna Spyri ins Französische. Camille Vidart engagierte sich intensiv für die feministische Frauenbewegung, 1896 war sie Präsidentin des ersten "Kongresses für Fraueninteressen" in Genf. Mit Johanna Spyri, die sie oft von Montreux aus besuchte, verband sie lange Jahre eine enge Freundschaft; vgl. das Kapitel zu Camille Vidart in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; zahlreiche Unterlagen im Gosteli-Archiv Worblaufen; Denise von Stockar-Bridel, Les débuts de Heidi.schliessen die auf's Neue nicht vom Hause weg kann, weil ihr Bruder todtkrank heim gekehrt ist, denk nur, ganz die Krankheit vom Kaiser Friedrich ,1182Wohl Kehlkopfkrebs, die Krankheit, an welcher der Deutsche Kaiser Friedrich III. 1888 gestorben war.schliessen habe ich versprochen, in ihre Nähe zu kommen, sobald ich kann, wenigstens für einige Zeit, so daß wir doch dann u. wann zusammen kommen können. Ist es nicht schrecklich, was die Arme durchzumachen hat?
Das freut mich ganz besonders, daß Otto1183Otto Kappeler (1869-1935), Hedwigs jüngster Bruder. Ab 1901 verheiratet mit Marie Pauline Stierlin (1877-1954); vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen schon angekommen ist, es ist ja wundervoll in einer Zeit, da Viele so u. so lange ohne Stelle bleiben müssen, gerade in England, ich habe eine rechte Herzensfreude daran, daß es ihm so gelingt. Nun ist also auch Ernst1184Ernst Kappeler (1865-1936), jüngerer Bruder Hedwigs, bis 1893 Vikar im Thurgau, im Winter 1893/94 in Montreux, ab 1894 Pfarrer in Neunforn, nach dem frühen Tod seiner Frau (1905) von 1908-1931 in Zollikon. Ab 1896 verheiratet mit Marie Stephanie van Vloten (1874-1905); ZhPfrB, 372; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen auf praktischen Wegen, ich hoffe nur, der Doktor setzt ihm nicht wieder Mücken in den Kopf. Das finde ich ausgezeichnet, daß [4] es jetzt einwenig in Gachnang1185Dekan Alfred Johannes Aepli, der Vater von Hermann Kappelers Braut Maria Ida Ernestine Aepli war Pfarrer in Gachnang. Ernst Kappeler durfte offenbar in dessen Gemeinde seine ersten Predigten halten (s. auch JS4 und JS5).schliessen funktionieren soll. Wer weiß, was dem Herrn Dekan1186Alfred Johannes Aepli (1817-1913), Pfarrer in Gachnang von 1855 bis 1898, 1856-1898 Mitglied des thurgauischen evangelischen Kirchenrates, 1866-1898 Dekan des Kapitels Frauenfeld, Mitglied der thurgauischen evangelischen Synode, 1867-1898 Abgeordneter zur theologischen Konkordatsprüfungsbehörde, 1897 Dr. theol. h. c. der Universität Zürich, Vater von Maria Ida Ernestine Aepli, der späteren Frau von Hedwigs Bruder Hermann Kappeler; HBLS I, 140; Matrikeledition UZH online, Nr. 532; vgl. Stammbäume Henriette Kappeler und Kappeler, Materialien.schliessen für Gedanken kommen, wenn er nachher so allein in seinem Pfarrhaus sitzt. Wenn nur Ernst jetzt wohl bleibt! Schreibe mir doch das Gedicht, das er am Brautessen1187Hermann Kappeler und Maria Ida Ernestine Aepli heirateten am 31. Oktober 1892. Es handelt sich wohl um deren Verlobungsessen.schliessen vorgetragen hat, es intereßiert mich ja sehr, es zu kennen, frühere von ihm habe ich ja auch gelesen, so intereßierte es mich doppelt.1188Ernst Kappeler schrieb und dichtete und wäre ausser Pfarrer gerne Dichter geworden. Dennoch entschied er sich schliesslich für die Theologie; Mitteilung Prof. Dr. Dietrich Kappeler, 9.2.2011.schliessen Es ist so nett, wenn an solchen Festen auch etwas Geistiges als Würze dabei ist. Sag der Mutter1189Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen viele herzliche Grüße, sie ist eine glückliche Mutter, ich denke oft so u. freue mich mit ihr. Wäre nicht so Vieles losgewesen, auch noch neue Mägdeschwierigkeiten so wäre ich gewiß tausend Mal lieber bei Euch, als in Baden1190Badekurort im Kanton Aargau, ca. 20 km von Zürich entfernt.schliessen gewesen, wo ich regelmäßig allen Appetit einbüße, das Loch ist zu warm für mich. Herzliche Grüße auch an die Brüder1191Hermann (geb. 1858) und Ernst Kappeler (geb. 1865). Otto Kappeler ist offenbar noch in England; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen [4 am Rd.] u. Ernestine,1192Ernestine Brügger-Kappeler (1857-1897), ältere Schwester Hedwigs. Seit 1883 verheiratet mit Friedrich Benedikt Brügger, Bürger von Churwalden. Sie starb am 14. Oktober 1897 an einer Bronchitis mit Lungenentzündung; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen deren Kinder[n]1193Georg Brügger (1883-1901) und Elisabeth Fanny Brügger (geb. 1886); vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen ich die Marken beilege.
[3 am Rd.] Dir liebe Hedwig, alles Herzliche u. viel Dank u. [2 am Rd.] Liebe von Deiner