Brief Nr. JS26 – 22.4.1897
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JS26 22.4.1897
Zürich 22 Apr[il] [18]97.
Liebe Hedwig!

Was wirst du gedacht haben über meine Telegramme? Es kam so, lieber als wieder schreiben auf eine ellenlange Epistel des Pfarrers1334Paul Sutermeister (1864-1905), von 1889 bis 1898 Pfarrer in Walzenhausen, dann Redaktor beim Berner Tagblatt, publizierte mehrere Artikel über Johanna Spyris Mutter sowie eine Biographie mit dem Titel "Meta Heusser-Schweizer. Lebensbild einer christlichen Dichterin" (1898); HBLS VI, 620.schliessen in Walzenh[ausen] entschloß ich mich gestern schnell, heute hinauf zu reisen. Nun dachte ich, es wäre so nett, wenn Du mit kämest, u. telegraphierte sofort. Wie ich nun heute erwache, ist es mir so schlecht u. zwar in einer Weise, daß ich nicht hätte reisen können. Ich sandte schnell eine Depesche u. hoffe nun, du hast [2] sie noch bekommen, bevor du Dich zur Reise bereit machtest, wenn Du sie zu machen im Sinn hattest. Ich lasse sie nun u. habe wieder einen Brief an den Pfarrer geschrieben. Meine Schwester1335Anna Elisabetha Dorothea (Netti) Ulrich-Heusser (1825-1907), Schwester von Johanna Spyri, verheiratet mit Baumeister Friedrich Salomon Ulrich. Anna ist die einzige der drei Schwestern Johanna Spyris, die wie sie in Zürich lebte und zu der sie zeitlebens engen Kontakt pflegte.schliessen ist gestern mit Tochter1336Anna Ulrich (1866-1920), Tochter von Anna Elisabetha Dorothea (Netti) Ulrich-Heusser und Friedrich Salomon Ulrich, also eine Nichte von Johanna Spyri. Entwickelte wie ihre Tante und Grossmutter schriftstellerisches Talent, 1919 veröffentlichte sie die kleine Schrift "Johanna Spyri. Erinnerungen aus ihrer Kindheit".schliessen abgereist, mir zurücklassend, ich soll die Sache in Ordnung bringen.1337Paul Sutermeister war offenbar in den Besitz von Briefen Meta Heussers gelangt, deren Publikation Johanna Spyri und ihre Schwester verhindern wollten (s. auch JS27).schliessen

Wohl ist mir gar nicht, doch wird es ja vorübergehend sein, es ist der Magen.

Wie stehts bei Euch seither? Ist Georg1338Georg Brügger (1883-1901), Sohn von Ernestine Brügger-Kappeler und Friedrich Benedikt Brügger. Stirbt am 8. März 1901 an einem Herzleiden; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen wieder auf den Beinen? Ich bin zum Zahnarzt bestellt u. möchte doch den Brief Dir schnell schicken, damit Du doch meine Telegramme verstehen kannst. Die ganze Zeit, seit Mittag habe ich mit meinem [3] Schreiben an den Pfarrer zubringen müssen, den Morgen hat mir eine Baronin aus Curland genommen.

Adieu dann! Dir u. der lieben Mutter1339Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen herzliche Grüß von
deiner J.Spyri

Gruß auch an Ernestine1340Ernestine Brügger-Kappeler (1857-1897), ältere Schwester Hedwigs. Seit 1883 verheiratet mit Friedrich Benedikt Brügger, Bürger von Churwalden. Sie starb am 14. Oktober 1897 an einer Bronchitis mit Lungenentzündung; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen u. den Luogotenente.1341Italienisch für "Leutnant, Statthalter"; hier evtl. im übertragenen Sinn für Otto Kappeler, den Jüngsten, der noch zuhause lebt.schliessen



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