Brief Nr. JS25 – 29.3.1897
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JS25 29.3.1897
Zürich 29. März [18]97.
Liebe Hedwig.

Dieß mal hast du wirklich recht, mich der Schreibnachläßigkeit anzuklagen. Es ist eigentlich nicht Nachläßigkeit, aber ein Unterlassen, dem ich anheim gefallen bin u. immer mehr anheim falle. Du beklagst dich aber nicht allein, von allen Seiten regnet es Vorwürfe. Um so mehr freue ich mich nun, Euch zu besuchen u. mündlich sehr viel u. eingehend mit euch zu verkehren. Wenn es nun der lieben Mutter1331Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen recht ist, so käme ich am Samstag Nachmittag um 4 Uhr 46 bei Euch an. Morgen haben wir noch Schlußverein für [2] die Anstalt Friedheim,1332Das 1847 auf Initiative des Zürcher Staatsanwalts Johann David Rahn (1811-1853) als "Rettungsanstalt" für heimatlose Kinder gegründete Friedheim in Bubikon, für welches sich bereits Johanna Spyris Mutter Meta Heusser-Schweizer engagierte. Johanna Spyri wirkte jahrelang an der Spitze des "Damencomités", welches sich um die Aussteuer der austretenden Zöglinge kümmerte, Kinderkleider nähte oder strickte und Bazare zu Gunsten des Friedheims veranstaltete. Die Anstalt existiert bis heute als Sonderschulheim Friedheim; [Diethelm Hofmeister], Die zürcherische Rettungsanstalt Friedheim bei Bubikon; Hundert Jahre Friedheim; Regine Schindler, Die Memorabilien der Meta Heusser-Schweizer, 257f.; www.friedheim.ch, 25.1.2011. Zu Johanna Spyris Aktivitäten für das Friedheim vgl. EK71, JS35, JS50, JS52, Von Vincke-Briefe 15 in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe, sowie Johanna Spyri an Karl Ulrich, 28. Mai 1888, MI 14.schliessen dann muß ich noch alle ausstehenden Aussteuerstücke eintreiben packen u. am Freitag Alles fertig haben u. abschicken. Dann freue ich mich die Woche mit Euch vor mir zu haben u. auch einen Besuch bei Ernst1333Ernst Kappeler (1865-1936), jüngerer Bruder Hedwigs, bis 1893 Vikar im Thurgau, im Winter 1893/94 in Montreux, ab 1894 Pfarrer in Neunforn, nach dem frühen Tod seiner Frau (1905) von 1908-1931 in Zollikon. Seit 1896 verheiratet mit Marie Stephanie van Vloten; ZhPfrB, 372; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen zu machen.

So grüße ich heute nur die Mutter u. dich herzlich u. sage auf ein frohes Wiedersehen! Von Herzen
deine J. Spyri


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