Brief Nr. JS20 – 8.2.1896
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JS20 8.2.1896
Zürich 8 Febr[uar] [18]96.
Meine liebe Hedwig:

Du kannst denken wie sehr Deine Nachricht mich überraschte, aber auch erfreute! Am liebsten wäre ich gleich bei Dir u. der lieben Mutter1293Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen gewesen, daß ich mich so recht mit Euch hätte freuen können u. immer noch fort freuen könnte. Sag nur der lieben Mutter, außer ihren Kindern, sei gewiß Niemand, der sich so persönlich für sie u. den lieben Ernst1294Ernst Kappeler (1865-1936), jüngerer Bruder Hedwigs, bis 1893 Vikar im Thurgau, im Winter 1893/94 in Montreux, ab 1894 Pfarrer in Neunforn, nach dem frühen Tod seiner Frau (1905) von 1908-1931 in Zollikon. Ab 1896 verheiratet mit Marie Stephanie van Vloten (1874-1905); ZhPfrB, 372; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen des gefundenen Glückes mit ihr freuen könnte, wie ich. Auch daß es nun die Braut1295Marie Stephanie van Vloten (1874-1905), Braut und spätere Ehefrau von Ernst Kappeler; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen ist, die ihm selbst so gefallen hat,1296In der Familie Kappeler wird überliefert, dass Ernst Kappeler von seiner Mutter auf die "Rabenfluh" in Neuhausen, wo die töchterreiche Familie van Vloten wohnte, auf Brautschau geschickt wurde. Die Türe öffnete ihm seine spätere Frau Marie Stephanie, die er schliesslich statt der eigentlich vorgesehenen, älteren Martha heiratete; Mitteilung Prof. Dr. Dietrich Kappeler, 9.2.2011.schliessen freut mich so sehr, es ist doch das Natürlichste, daß ein persönlicher, tiefer Eindruck das Erste sei, nicht nur Anerkennung u. Achtung, was [2] ja freilich auch sein soll.

Wenn ich aber auch noch so gern eben jetzt bei Euch wäre, so muß ich doch wieder sagen, es ist doch besser nicht, denn nun folgt ja so vieles für Euch, das Euch in Anspruch nimmt u. Ihr werdet nicht nur Besuche erhalten, sondern auch machen müssen, denn nach Neunforn1297Gemeinde im Kanton Thurgau, in welcher Ernst Kappeler 1894 zum Pfarrer gewählt wird und fortan wohnt, ab 1896 zusammen mit seiner Frau Marie Stephanie van Vloten (1874-1905).schliessen u. Schaffhausen wird ja die Mutter nun gleich u. auch Du bald ziehen müssen u. die Braut u. ihre Eltern1298Franz van Vloten und Sophie van Vloten-Ziegler aus Schaffhausen.schliessen werden sich auch bei Euch zeigen.

Mich freut nun vor Allem, daß Ernst so glücklich ist u. der Mutter eine so nette Tochter zuführen wird. Auch für Dich ist es doch herrlich, daß Du in dem Mädchen eine Schwester bekommst, die Dir ja eine rechte Freude bereiten kann, mit der Du Dich ja auch innerlich recht zusammen finden kannst. Sie einmal [3] zu sehen, wird mir auch eine rechte Freude sein.

Nun eile ich aber, meinen Brief fort zu senden, sonst wirst Du gar nicht recht glauben, wie sehr es mich verlangt, der lieben Mutter u. Dir meine Freude auszusprechen. An Ernst schreibe ich auch ein Wort, seine Karte ist angelangt.

Tausend Grüß an die liebe Mutter u. Dich von
Deiner J. Spyri


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