Brief Nr. JS2 – 2.11.1887
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JS2 2.11.1887
Zürich 2 Nov[ember] [18]87.
Meine liebe Aline:

Mit herzlicher Theilnahme habe ich gelesen, daß Eure gute Mutter1108Maria Wüest-Merkle (1795-1887), Mutter von Aline Kappeler-Wüest, Hedwig Kappelers Grossmutter, seit 1885 Witwe von Johann Jakob Wüest; vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen nun auch zur ewigen Ruhe eingegangen ist.1109Maria Wüest-Merkle starb am 31. Oktober 1887.schliessen Ihr Lebens-Abend war ja noch so schön u. reich, so von all ihren Kindern1110Anna Friederike (geb. 1821) und Jakob Hermann Wüest (geb. 1822), Natalie Labhardt-Wüest (geb. 1823), Aline Kappeler-Wüest (geb. 1829), Emil Wüest (geb. 1833); vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen u. Enkeln1111Die Kinder von Natalie Labhardt-Wüest: Hermine (geb. 1853) und Emil (geb. 1856) sowie die Kinder von Aline Kappeler-Wüest: Henriette (1856-1916), Ernestine (1857-1897), Hermann (1858-1931), Hedwig (1860-1932), Ernst (1865-1936) und Otto (1869-1935). Die übrigen Kinder von Maria Wüest-Merkle waren unverheiratet geblieben; vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen umgeben, daß man nur mit Dank auf dieses Leben zurück blicken kann. Auch daß der liebe Gott sie heim gerufen, bevor das hohe Alter noch einen Zustand für die Selige [2] gebracht hatte, der für sie u. Euch Alle ja hätte sehr schwer sein können, auch dafür dankt Ihr gewiß u. freut Euch, trotzdem die guten Augen der Mutter nicht mehr auf Euch blicken, daß sie zu Frieden u. Ruhe eingegangen ist. Ich habe ein so freundliches Andenken an die liebe selige Mutter noch von meinem letzten Besuche her, da sie mit so großer Freundlichkeit auch zu mir sprach, daß mir war, sie habe an Herzlichkeit wie zugenommen, vielleicht war das Bezeugen einer solchen [3] mehr hervor tretend, als ich es früher bemerkt hatte. Dieser letzte Besuch bleibt mir nun eine recht liebe Erinnerung. Sprich auch der lieben Natalie1112Natalie Labhardt-Wüest (1823-1904), Hedwig Kappelers Tante mütterlicherseits, Schwester von Aline Kappeler-Wüest und Witwe von Philipp Gottlieb Labhardt; vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen u. Schwester Nette1113Anna Friedrike (Nette) Wüest (1821-1920), Hedwig Kappelers Tante mütterlicherseits, Schwester von Aline Kappeler-Wüest, wohnhaft im Bernerhaus; vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen meine herzliche Theilnahme aus, ich schreibe eigentlich in Gedanken diesen Brief so ganz an Natalie u. Dich zusammen. Daß mein Plan, Euch auf meiner Heimreise aufzusuchen u. noch einige Tage mit Euch zu verleben, mir so durchkreuzt wurde, that mir gar so leid, aber ich hatte keine Ruhe mehr, wie ich hörte, daß meine Schwester1114Wahrscheinlich Anna Elisabetha Dorothea (Netti) Ulrich-Heusser (1825-1907), die einzige der drei Schwestern Johanna Spyris, die wie sie in Zürich lebte und zu der sie zeitlebens engen Kontakt pflegte.schliessen so erkrankt war. [4] Es geht nur langsam vorwärts aber doch wirklich, wie es jetzt steht, der Genesung entgegen. Wären wir nur am Anfang des Sommers, anstatt des Winters, da könnte wohl eine raschere Erholung in Aussicht stehn. Wie steht es wohl bei Euch? Seid Ihr selbst doch wohl, Ihr Schwestern alle drei1115Anna Friederike Wüest (geb. 1821), Natalie Labhardt-Wüest (geb. 1823) und Aline Kappeler-Wüest (geb. 1829); vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen u. von der letzten Pflege der Seligen1116Maria Wüest-Merkle (1795-1887), Mutter von Aline Kappeler-Wüest, Hedwigs Grossmutter, seit 1885 Witwe von Johann Jakob Wüest. Sie starb am 31. Oktober 1887; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen nicht zu sehr ermüdet? Ich hoffe, ich höre bald etwas Näheres von Euch Allen, vielleicht wird Natalie etwa bei ihrer Tochter1117Hermine Jänike-Labhardt (geb. 1853), Hedwig Kappelers Cousine mütterlicherseits, Tochter von Natalie Labhardt-Wüest. Seit 1878 mit Konrad Gottlieb Wilhelm Jänike verheiratet. Die Familie wohnte in der Enge (damals noch eine selbständige Gemeinde, eingemeindet 1893), Gartenstrasse 36; BB 1889, 240; Zürcher Adressbuch 1887; vgl. Stammbaum Wüest, Materialien.schliessen erscheinen. Für die nächsten Tage erwarte ich Fräulein Camenisch1118Ursolina Camenisch (1844-1920), Besitzerin der Pension Camenisch in Suna am Lago Maggiore, in welcher Johanna Spyri wiederholt zu Gast war. Elemente der Persönlichkeit und Lebensgeschichte der aus Celerina (Engadin) stammenden Camenisch sowie der Gegend um Suna liess Johanna Spyri in ihre zweiteilige "Dorigeschichte" - Was soll denn aus ihr werden (1887) und Was aus ihr geworden ist (1889) - einfliessen; vgl. das Kapitel zu Suna in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe.schliessen aus Suna, nachher wäre mir jeder Besuch [4 am Rd.] aus Frauenfeld lieb u. erwünscht.

Mit den herzlichsten [3 am Rd.] Grüßen an Euch Alle
Deine J. Spyri


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