Brief Nr. JS18 – 26.4.1894
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JS18 26.4.1894
Zürich 26 Apr[il] [18]94.
Mein lieber Herr Pfarrer:1274Dieser Brief ist an den neugewählten Pfarrer von Neunforn, Ernst Kappeler, gerichtet.schliessen

Eben hatte ich einen Brief von Fräulein Marie v. Vincke1275Marie von Vincke (1835-1921), Bekannte von Johanna Spyri aus Montreux, besass zusammen mit ihren zwei unvereirateten Schwestern Charlotte (1830-1912) und der gelähmten Luise (1833-1894) ein Chalet am See, das sie gemeinsam bewohnten. Luise von Vincke war am 12. März 1894 verstorben; vgl. das Kapitel zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Von Vincke-Briefe in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; JS9, JS11-13, JS15, JS23.schliessen u. diesen an Sie beigeschlossen. War es nicht rätselhaft traurig mit der so besonders ein Segen wirkenden Schwester Rosalie?1276Rosalie Bräuchli, Diakonisse von Saint-Loup, "Soeur directrice" des Krankenhauses von Montreux. In der Nacht vom 28. auf den 29. März 1894 kam es zu einem Unfall mit einer Petrollampe, diese entglitt Schwester Rosalies Händen, explodierte und verursachte einen Brand. Schwester Rosalie erlag ihren Verbrennungen am folgenden Morgen; Autrefois Montreux s'appelait Vernex, 82; La Liberté, Nr. 74, 31. März 1894.schliessen Wie frisch u. unermüdlich war sie doch immer! Und immer fröhlich u. freundlich, wie viel auch auf ihr lag! Und wie hat sie sich bewährt! In dem schrecklichsten u. unerklärlich schweren Geschick hatte sie nur das Wort: Es ist der Herr! Das ist ein Glaube! Es hat mich recht ergriffen, nachdem wir im Herbst [2] noch so fröhlich auf Wiedersehen-Abschied genommen hatten. Der Tod unserer lieben Fräulein v. Vincke1277Luise von Vincke (1833-1894), Bekannte von Johanna Spyri aus Montreux, besass zusammen mit ihren zwei unverheirateten Schwestern Charlotte (1830-1912) und Marie (1835-1921) ein Chalet am See, das sie gemeinsam bewohnten. Luise von Vincke war gelähmt. Sie starb am 12. März 1894 in Montreux; vgl. das Kapitel zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Von Vincke-Briefe in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; JS9, JS11-13, JS15, JS23.schliessen hat mir Montreux auch verändert, obschon mir ja auch Fräulein Marie1278Marie von Vincke (1835-1921), Bekannte von Johanna Spyri aus Montreux, besass zusammen mit ihren zwei unvereirateten Schwestern Charlotte (1830-1912) und der gelähmten Luise (1833-1894) ein Chalet am See, das sie gemeinsam bewohnten. Luise von Vincke war am 12. März 1894 verstorben; vgl. das Kapitel zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Von Vincke-Briefe in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; JS9, JS11-13, JS15, JS23.schliessen recht lieb ist, Fräulein Luise,1279Luise von Vincke (1833-1894), Bekannte von Johanna Spyri aus Montreux, besass zusammen mit ihren zwei unverheirateten Schwestern Charlotte (1830-1912) und Marie (1835-1921) ein Chalet am See, das sie gemeinsam bewohnten. Luise von Vincke war gelähmt. Sie starb am 12. März 1894 in Montreux; vgl. das Kapitel zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Von Vincke-Briefe in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; JS9, JS11-13, JS15, JS23).schliessen die Kranke, war eine auserwählte Natur u. ein Gnadentrost.

Ich freue mich recht von Herzen, daß es Ihnen an Ihrem neuen Heimatsorte1280Neunforn, Gemeinde im Kanton Thurgau, in welcher Ernst Kappeler 1894 zum Pfarrer gewählt wird und fortan wohnt, ab 1896 zusammen mit seiner Frau Marie Stephanie van Vloten (1874-1905).schliessen so wohl gefällt u. gut geht. Sehr gern hätte ich Ihrer freundlichen Einladung gefolgt, aber ich sehe noch nicht ab, wann ich mit gutem Gewissen fort kommen werde u. mit schlechtem1281Johanna Spyri ist unter Druck, da sie das Manuskript von Einer vom Hause Lesa (1894) noch nicht beendet hat.schliessen will ich doch lieber nicht gehn. Aber Sie in ihrem eigenen Pfarrhaus u. Pfarrleben einmal zu sehen, darauf freue ich mich recht.

[3] Nun nehmen Sie mit Hedwig1282Hedwig Kappeler (1860-1932), Tochter von Oberst Hermann Kappeler und Aline Kappeler-Wüest. In den Jahren 1876 bis 1878 Schülerin an der Höheren Töchterschule in Zürich und Pflegetochter bei der Familie Spyri. Anschliessend verbrachte Hedwig Kappeler ein Jahr in Genf, dann ging sie als Lehrerin nach England. Später engagierte sich Hedwig Kappeler in der bürgerlichen Frauenbewegung. Johanna Spyri blieb sie bis zu deren Tod 1901 eng verbunden und unternahm mit ihr Reisen nach Deutschland und Italien.schliessen meine herzlichsten Grüße u. lassen Sie mich etwa wieder von Ihnen hören, wie es um Sie steht u. wie Sie sich mit Ihrer Gemeinde einleben, was doch immer noch im Werden ist.

In Freundschaft und Herzlichkeit Ihre
J. Spyri


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