Ich will Dir nur schnell sagen, daß Du ganz kommen kannst, wie es Euch paßt, ich erwarte Niemand u. bin ganz fest zu Hause. Also schreib dann nur noch ein Wort, wann Du kommen kannst, auf welchen Tag u. Zug es sein soll. Ich bin [2] so gespannt, wie es nun kommen wird, aber ich freue mich auf jeden Fall hin, natürlich am meisten, wenn die Wahl in Neunforn1258Gemeinde im Kanton Thurgau, in welcher Ernst Kappeler 1894 zum Pfarrer gewählt wird und fortan wohnt, ab 1896 zusammen mit seiner Frau Marie Stephanie van Vloten (1874-1905).schliessen gelingt aber wenn auch nicht, daß er doch etwas Bestimmtes vor sich sieht. Gestern habe ich einen Brief von Fräulein v. Vincke1259Charlotte (1830-1912), Luise (1833-1894) oder Marie von Vincke (1835-1921), Bekannte von Johanna Spyri aus Montreux, besassen zusammen ein Chalet am See, das sie gemeinsam bewohnten. Die gelähmte Luise starb wenige Wochen später am 12. März 1894; vgl. das Kapitel zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Von Vincke Briefe in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; JS9, JS11-13, JS18, JS23.schliessen gehabt. Sie schreibt mir, sie [3] haben ihren jungen Vicar Kap[peler]1260Ernst Kappeler (1865-1936), jüngerer Bruder Hedwigs, bis 1893 Vikar im Thurgau, im Winter 1893/94 in Montreux, ab 1894 Pfarrer in Neunforn, nach dem frühen Tod seiner Frau (1905) von 1908-1931 in Zollikon. Ab 1896 verheiratet mit Marie Stephanie van Vloten (1874-1905); ZhPfrB, 372; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen recht lieb, seine Persönlichkeit habe etwas so Einnehmendes, Grades u. Wahres. Predigen höre ihn die Gemeinde immer sehr gern, was sie Beide aber besonders freue, sei, daß er so vortrefflich für die Klasse zu predigen verstehe, die er besonders in der Kirche habe u. die es ja besonders nöthig [4] haben, alle die Angestellten u. das deutschsprechende Volk, das da lebt. Pfarrer Wächter1261Eduard Wächter (1865-1947), von 1893 bis 1896 Pfarrer der deutschen Gemeinde in Montreux. Wegen gesundheitlicher Probleme hatte er sich für die Stelle im milden Klima von Montreux beworben. Er war im gleichen Alter wie Ernst Kappeler, aber Inhaber des Pfarramts, also Vorgesetzter des Vikars Kappeler, was die Situation nicht einfach machte. Wächter stand der Erweckungsbewegung nahe und hatte darum Beziehungen zum Waadtländer Réveil. Später wurde er an die Christus-Kirche in Frankfurt berufen, trat aber 1901 aus der evangelischen Landeskirche aus und gründete die freie "Christliche Gemeinde". Er hatte grossen Predigterfolg und publizierte zahlreiche Bücher. Im Alter nahm er in bemerkenswerter Weise gegen das "Dritte Reich" Stellung; BBKL XXXI, Sp. 1419-1425; vgl. auch die Kapitel zu Montreux und zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe.schliessen läßt ihn immer am Nachmittag predigen, wo dann hauptsächlich eben die Dienenden hin kommen. Wächter will natürlich die Morgenpredigt für sich. Aber Frl: v. Vincke1262Charlotte (1830-1912), Luise (1833-1894) oder Marie von Vincke (1835-1921), Bekannte von Johanna Spyri aus Montreux, besassen zusammen ein Chalet am See, das sie gemeinsam bewohnten. Die gelähmte Luise starb wenige Wochen später am 12. März 1894; vgl. das Kapitel zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Von Vincke-Briefe in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; JS9, JS11-13, JS18, JS23.schliessen findet, es sei gerade ein Segen für die Leute, E[rnst] spreche so verständlich u. nett u. klar zu ihnen. Das ist1263Der zweite Teil des Briefes fehlt.schliessen
