Du mußt nun auch gleich eine Antwort haben, denn dein Brief war recht eingehend u. dazu noch der von Ernst,1211Ernst Kappeler (1865-1936), jüngerer Bruder Hedwigs, bis 1893 Vikar im Thurgau, im Winter 1893/94 in Montreux, ab 1894 Pfarrer in Neunforn, nach dem frühen Tod seiner Frau (1905) von 1908-1931 in Zollikon. Ab 1896 verheiratet mit Marie Stephanie van Vloten (1874-1905); ZhPfrB, 372; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen den ich so gerne las. Sag der Mutter1212Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen meinen herzlichen Dank dafür. Es geht ihm ja recht gut u. jedenfalls hat er mit jener Sache, die ich einwenig für ihn fürchtete, nichts zu thun und es ist sehr gut. So wollen wir sie denn auch nicht herauf beschwören. Es hätte sich um zwei Herrn1213Herr von Sydow und Professor B. (s. JS12). Möglicherweise handelt es sich um Wilhelm Bender (1845-1901), Professor in Bonn; Von Vincke-Briefe Nr. 8-9 in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe.schliessen gehandelt, Glieder der Gemeinde, die gegeneinander waren,1214Es geht hier um Spannungen zwischen zwei Mitgliedern der deutschen Gemeinde in Montreux, in welche Ernst Kappeler hätte verwickelt werden können. Ein Professor (vermutlich Wilhelm Bender), der sich an der Gründung der deutschen Kirche beteiligt hatte, fühlte sich von einem anderen Gemeindemitglied, einem Herrn von Sydow, nicht genügend beachtet. Offenbar sollte der junge Ernst Kappeler für Pastor Wächter, der einer anderen theologischen Richtung angehörte als der Professor und sich nicht exponieren wollte, zwischen den beiden vermitteln. "Wie der gute, sanfte Junge zwischen diesen zwei Feuern durchkommen wird, soll mich wundern", schreibt Johanna Spyri; Von Vincke-Briefe Nr. 8 in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; zum Professor, auch Professor B. s. auch JS11-12.schliessen da hätte ja Ernst in eine sehr unliebsame Lage kommen können, hätte der Eine u. der Andere ihn auf seine Seite ziehen wollen, vielleicht haben sie unterdeßen sich [2] selbst verständigt.
Ja, nicht wahr, man hört es so leicht an, wenn es heißt, es hat Einer die Hand gebrochen u. kommt die Sache an uns selbst, so haben wir so viel Geduld nöthig. Ich habe auch wohl 8 Wochen gebraucht, bis ich meine Hand wieder recht zu Allem nehmen u. anstrengen, besonders etwas heben konnte. Fünf volle Wochen unbeweglich in Gyps u. gut drei Wochen noch zum erstarken, oder noch etwas mehr.1215Johanna Spyri nimmt hier Bezug auf ihre eigene Armverletzung im Herbst 1879, kurz vor dem Erscheinen von "Heidi" (vgl. EK35 und EK36).schliessen Ich hoffe, die gute Mutter muß nun nicht mehr gar lange herhalten. Mit den Berichten muß um der Wahrheit willen sagen, daß ich eigentlich nicht die Nichte Ulrich-Schulthess1216Mathilde Ulrich-Schulthess (1864-1929), seit 1886 verheiratet mit Johanna Spyris Neffen Paul Gustav Ulrich (1856-1935), Sohn ihrer Schwester Anna (Netti) Ulrich-Heusser, Architekt und Baumeister; BB 1889, 529; Stammbaum Gessner-Keller, in: Regine Schindler, Die Memorabilien der Meta Heusser-Schweizer, Beilage.schliessen meinte, sie ist eine harmlose Natur, nur ein klein wenig hochmütig, das ist mir aber gleich. Aber es war einmal die Rede davon, daß das Fräulein, die Schwägerin mitgehen sollte u. [3] die Bemerkungen, die dann zu Allem gemacht werden von der Seite her, ertrage ich nicht u. das führt nur zu Conflikten.
Also habt ihr nun Besuch, da hast du wohl keine Zeit zur Malerei, die Bildchen suche ich dir aber, du wirst auch wieder dazukommen. Für deine Hustentäfelchen1217"Täfeli": schweizerdeutsch für "Bonbon".schliessen vielen Dank, mein Husten ist nun ganz weg u. der damit verbundene Schnuppen auch sehr im Vergehen. Ich hoffe, ich bin nun wieder frei, kommt die Sache wieder so will ich mir dein Heilmittel ausbitten.
Dich einmal bei mir zu sehen, wird mich sehr freuen, vielleicht kommt einmal ein Conzert, das dir zur gleichen Zeit Freude machen würde, das könnte ich dir dann berichten, [4] das wäre schlimm, wenn J. Steal1218Unsichere Lesung.schliessen sich die Hochzeit so zu Herzen genommen hätte. Wer muß dann mit ihr nach Pegli.1219Im 19. Jahrhundert eine der bekanntesten Ortschaften Liguriens, wo die vornehmen Genuesen ihre Villen bauten, heute Stadtteil in der westlichen Peripherie von Genua. Johanna Spyris Neffe Constantin Theodor Heusser (1852-1905) war eine Zeitlang Kurarzt in Pegli; Tagblatt der Stadt Zürich, 2. August 1905; Matrikeledition UZH online, Nr. 3766.schliessen Der Vater wird ja die andern Zwei nicht entbehren wollen.
Montreux ist ja wohl nett für den Ernst1220Ernst Kappeler (1865-1936), jüngerer Bruder Hedwigs, bis 1893 Vikar im Thurgau, im Winter 1893/94 in Montreux, ab 1894 Pfarrer in Neunforn, nach dem frühen Tod seiner Frau (1905) von 1908-1931 in Zollikon. Ab 1896 verheiratet mit Marie Stephanie van Vloten (1874-1905); ZhPfrB, 372; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen für einen Winter, aber dabei hat er Recht, zwei Geistliche so im gleichen Alter sind nicht so ganz das Richtige, ich glaube von Vielem denkt der Pastor,1221Eduard Wächter (1865-1947), von 1893 bis 1896 Pfarrer der deutschen Gemeinde in Montreux. Wegen gesundheitlicher Probleme hatte er sich für die Stelle im milden Klima von Montreux beworben. Er war im gleichen Alter wie Ernst Kappeler, aber Inhaber des Pfarramts, also Vorgesetzter des Vikars Kappeler, was die Situation nicht einfach machte. Wächter stand der Erweckungsbewegung nahe und hatte darum Beziehungen zum Waadtländer Réveil. Später wurde er an die Christus-Kirche in Frankfurt berufen, trat aber 1901 aus der evangelischen Landeskirche aus und gründete die freie "Christliche Gemeinde". Er hatte grossen Predigterfolg und publizierte zahlreiche Bücher. Im Alter nahm er in bemerkenswerter Weise gegen das "Dritte Reich" Stellung; BBKL XXXI, Sp. 1419-1425; vgl. auch die Kapitel zu Montreux und zu Emmy von Vincke in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe.schliessen das will er nicht Ernst übergeben, der könnte darin ihm Conkurrenz machen. Ich möchte doch Ernst herzlich gönnen, es fände sich eine feste Stelle für ihn. Eine nette u. feine Gesellschaft hat er bei den deutschen Familien in Montreux. Nun adieu! Herzliche Grüße der lieben Mutter1222Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen u. auch Ernestine.1223Ernestine Brügger-Kappeler (1857-1897), ältere Schwester Hedwigs. Seit 1883 verheiratet mit Friedrich Benedikt Brügger, Bürger von Churwalden. Sie starb am 14. Oktober 1897 an einer Bronchitis mit Lungenentzündung; vgl. Stammbaum Kappeler, Materialien.schliessen
In alter Liebe deine