Brief Nr. JS30 – 12.8.1897
Zurück zum Register
1 Vorkommen in diesem Brief
Eintrag drucken
JS30 12.8.1897
Zürich 12 Aug[ust] [18]97.
Liebe Hedwig!

Eben war die Mutter1357Aline Kappeler-Wüest (1829-1923), zweite Ehefrau von Oberst Hermann Kappeler und Mutter von Henriette, Ernestine, Hermann, Hedwig, Ernst und Otto Kappeler; vgl. Stammbäume Wüest und Kappeler, Materialien.schliessen bei mir u. hat mir die Photographien überbracht. Erst muß ich Dir aber noch für die zwei niedlichen von Zell am See danken, die mich sehr freuen, dort war's wirklich am Schönsten. Nun hast Du mir jedenfalls noch eine geschenkt, denn die kleine habe ich gewiß nicht gekauft. Vielleicht glaubtest Du es, dann schick ich sie dir entschieden wieder. Die Reise1358Hedwig Kappeler unternahm im Juli 1897 eine Reise zusammen mit Johanna Spyri und dem Ehepaar Feddersen aus Leipzig. Erwähnt werden in der Korrespondenz die Destinationen Nürnberg, wo man sich treffen wollte und vor allem Zell am See ("dort war's wirklich am Schönsten", s. JS30). Während Johanna Spyri und Hedwig Kappeler gegen Ende Juli wieder in die Schweiz zurückreisten, blieben Helga Feddersen und ihr Mann noch in Berchtesgaden, besuchten den Salzberg und reisten gegen Ende August über Salzburg zurück nach Leipzig (vgl. JS28, JS29 und JS31).schliessen war wirklich nett, bis auf Deine Ermüdung. Eben jetzt ist meine Freundin Fries1359Anna Fries (1827-1901), Zürcher Malerin und beliebte Porträtistin, seit ihrer Kindheit mit Johanna Spyri eng befreundet. Um 1871 gründete sie eine Malschule in Florenz, welche u.a. auch Betsy Meyer besuchte. Ihre letzten zwanzig Lebensjahre verbrachte Anna Fries in Sestri Levante, wo sie sich der Wohltätigkeit verschrieb und eine Evangelisationsstelle gründete; vgl. das Kapitel zu Anna Fries und Betsy Meyer in: Regine Schindler, Johanna Spyri. Neue Entdeckungen und unbekannte Briefe; Regine Schindler, Spurensuche, 301-303; vgl. Stammbaum Wirz, Fries, Heim in: Regine Schindler, Die Memorabilien der Meta Heusser-Schweizer, Beilage.schliessen hier, reist aber heute noch, so sende ich schnell vorher noch [2] mein Briefchen an dich ab. Du gehst nun also nach Neunforn,1360Gemeinde im Kanton Thurgau, in welcher Ernst Kappeler 1894 zum Pfarrer gewählt wird und fortan wohnt, ab 1896 zusammen mit seiner Frau Marie Stephanie van Vloten (1874-1905).schliessen da hast Du dann ja alle Zeit für Dich u. kannst zeichnen u. lesen u. tun, was dir gefällt. Sehr gern hätte ich gleich geschrieben, Du solltest mir doch jenes Buch von der Frau v. Rehden1361Möglicherweise handelt es sich um das Buch von Fürstin Eleonore Reuss, Friederike Gräfin von Reden, geb. Freiin Riedesel zu Eisenach. Ein Lebensbild nach Briefen und Tagebüchern, 1888. Friederike (Fritze) Gräfin von Reden (1774-1854) war eine auf Schloss Buchenwald im Riesengebirge wirkende Wohltäterin und Philanthropin, Präsidentin der 1815 gegründeten dortigen Bibelgesellschaft; NDB XXI, 240, Eintrag Friedrich Wilhelm Graf von Reden; BBKL XX, Sp. 1202-1205.schliessen schicken, aber ich hätte es in der kurzen Zeit nicht lesen können, so ist es beßer, ich warte noch, man wird es auch einmal noch da oder dort haben können. Zum Lesen komme ich wenig neben allen Briefentsendungen, die sein müssen, dazu kommen nun so vorüberreisende deutsche Besucher, da Alles auf den Ferienreisen ist.

Gegen Ende August wird Frl. v. Hagen kommen, dann möchte ich fertig sein mit dem, was noch sein muß. - Helga1362Helga Josephine Frederikke Feddersen-Kjaer (1852-1936) aus Kopenhagen, Freundin von Johanna Spyri, verheiratet seit 1890 mit Dr. Berend Wilhelm Feddersen (1832-1918), Physiker und Privatgelehrter in Leipzig; Martin Henke, Flinke Funken, 9, 45ff.; NDB V, 40f.schliessen schreibt mir, die Hitze werde sie nun doch noch auf den Salzberg treiben, nachdem sie unten fast fortgeschwemmt worden sind. An Louise Grob1363Wahrscheinlich Hanna Luise Grob (geb. 1851), Tochter von Heinrich Grob, Prorektor und Professor am Gymnasium, Mitglied des Grossen Stadtrats; BB 1879, 139.schliessen habe ich auch noch nicht geschrieben, obschon ich es längst im Sinn habe.

Nun lebe wohl u. sei herzlichst gegrüßt von deiner
[2 am Rd.] J.Spyri


Zurück zum Register