Die Tagebücher des Pfarrers Diethelm Schweizer

25.5.1800
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Den 25 May.
Freyheit – ein göttliches Wort, u. alleinige Christus Sache – wie wirst du traversirt,402
entstellt, umgedreht.schliessen
u. damit wie verantichristisirt!
Ach, wer hat Augen, das zu sehen, u. wer ein Herz, es zu faßen?403
Vgl. Mat. 13,13ff.: "Deshalb rede ich in Gleichnissen mit ihnen, weil sie mit sehenden Augen nicht sehen und mit hörenden Ohren nicht hören und nicht verstehen. Und es erfüllte sich an ihnen eine Weissagung des Jesaja, welche sagt: 'Hören werdet ihr und nicht verstehen, und sehen werdet ihr und nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt und ihre Ohren sind schwerhörig geworden und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.'" Vgl. dazu Jes. 6,9f.schliessen

Man schikt u. duldet sich durchgehends unter die neüe Ordnung der Dinge mit Leichtsinn, mit Unnachdenken, mit Akkommodement404
Von frz. accommoder (anpassen): Anpassung.schliessen
seiner individuellen Denkens, Handelns, u. Fühlensart.
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Was ist allherrschender Sinn in unsern Städten u. Dörfern? Was anders, als
tändelnder Sinn, Wollust, Üepigkeit, Leichtigkeit, Freyheit, d. h. Frechheit, Züggellosigkeit, Unbändigkeit, Unreligiosität: u. bey den heütigen Frauenzimmern ein auffallendes nicht benehmen405
Evt. im Sinne von: "nicht Hindern", "nicht Aufhalten"; Grimm 1, Sp. 1469; möglicherweise aber auch "nicht Benennen".schliessen
der Dinge und Geschichte unsrer Tagen: man kan sie in kein Gespräch über die Revolution hinein führen.
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Jesus Christus! Was u. wo bist Du in unsern Tagen? wem bist du aufgedekt? wo wandeln die Deinen? u. worunter leiden sie? ach, warum rufen ihnen ihre Leiden nicht zu Deinem grossen Eins, nicht zum Handanlegen zur Bewirkung desselben.
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